Das bekannte EU-Energielabel , mit dem sich Verbraucher schnell einen Überblick über den Energiebedarf von Elektro-Großgeräten verschaffen können, ist in der letzten Zeit von der technischen Entwicklung der Geräte faktisch überholt worden. Da die jeweiligen Verbrauchs-Grenzwerte zum Teil erheblich unterschritten wurden, sind die Hersteller dazu übergegangen, den niedrigen Verbrauch ihrer Geräte mit zusätzlichen Angaben zu verdeutlichen: Beispielsweise unterbietet eine Waschmaschine vom Typ Bosch WAE24442 oder Siemens WM16S741 den Grenzwert der Energieeffizienzklasse A um 20%. Bei einem Siemens blueTherm WT46W560 Wäschetrockner liegt der Verbrauch sogar 40% unter dem geforderten Schwellenwert der Klasse A. Um dem Label angesichts dieser technischen Fortschritte seinen Orientierungswert zurückzugeben, plant die EU-Kommission nach einem Bericht von Faz.net nun die Einführung neuer Verbrauchsklassen.
Unterhalb der Klasse A sollen sich dem Entwurf zufolge künftig die Klassen A1 bis A4 anschließen, wobei die höhere Zahl das effizientere Gerät bezeichnet. Eine Waschmaschine der Klasse A3 würde also weniger Energie verbrauchen als eine der Klasse A2. Die Kommission plant damit den Ausbau des EU-Energielabel nach einem Ansatz, der bei den Kühlgeräten schon vor längerer Zeit umgesetzt wurde: Bereits 2003 wurden hier die Klassen A+ und A++ eingeführt, um der Effizienzsteigerung der Geräte Rechnung zu tragen. Zudem sollen im Zuge der Neuregelung zusätzliche Geräteklassen mit dem Label versehen werden. Im Moment gilt es für Wäschetrockner, Lampen, Geschirrspüler, Backöfen, Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen. Künftig sollen auch Fernseher, Kühlhäuser und Wärmefenster in die Regelung einbezogen werden.
Kritiker bezeichnen die Planung als verwirrend, so Faz.net. Statt einer Erweiterung der Skala nach oben fordert beispielsweise der BUND die Beibehaltung der bisherigen Kategorien A-G und eine regelmäßige Anpassung der jeweiligen Verbrauchs-Grenzwerte. Immerhin hat der allgemeine technische Fortschritt dazu geführt, dass in Europa kaum noch Haushaltsgeräte erhältlich sind, die in eine schlechtere Kategorie als C fallen. Bisher ist noch nicht klar, ob im März die notwendige Mehrheit für den Vorschlag der EU-Kommission zustande kommt.